Polizei: Dein Freund und Dealer – EBikes zum Freundschaftspreis




Hehlerei bei Leipziger Polizei

Einen Tag ist es her, dass TAG24 darüber berichtete. Ein Jahr, dass das sächsische Innenministerium über den Korruptionsskandal informiert wurde: Beamte der sächsischen Polizei sollen seit über 5 Jahren von ihnen beschlagnahmte Fahrräder und Pedelecs veruntreut haben. In den eigenen Reihen wurden sie für einen Freundschaftspreis verkauft.

Zufallsspur der Polizei deckt Korruptionsskandal auf

Vermutlich war es eine zufällige Spur, die die internen Ermittler 2019 stutzig werden ließ. Laut TAG24 erkannten sie Auffälligkeiten im Zusammenhang mit dem Verbleib etlicher beschlagnahmter Fahrräder. Eigentlich war für deren Aufbewahrung die schon 2012 gegründete „ZentraB Fahrrad“ verantwortlich. Hier wurden Fahrräder und eBikes so lange verwahrt, bis durch Staatsanwaltschaft oder Versicherungen eine Genehmigung zur Verschrottung erteilt wurde. Auch eine Freigabe zur gemeinnützigen Verwertung konnte erlassen werden.

Ob die Weitergabe unzähliger Räder an eine einzelne Gartensparte über Jahre dazu zählte, ist allerdings fragwürdig. Denn genau dahin führte die Spur der Ermittler: In eine Kleingartensparte.

Korruption im Gartenverein „Freundschaft e.V.“

TAG24 berichtet, dass die „freundschaftlichen“ Geschäfte bereits seit 2015 laufen. Die Gartensparte ist dabei der Hauptspielort, von wo aus der Weiterverkauf erfolgt ist. Der Vater der Hauptbeschuldigten, der Asservatenbeauftragten, sitzt hier im Vorstand. Bei ihr selbst fanden Ermittler bei einer Hausdurchsuchung Quittungen und Verträge. Diese dokumentieren Käufe von mehr als 1000 Rädern mit und ohne Motor über 4 Jahre. Ein qualitatives Rad oder ein wertvolles Pedelec gab es zum erschwinglichen Preis zwischen 50 und 100 €.

Geschäfte wurden aber nicht nur im Schutze des „Freundschaft e.V.“ abgewickelt. Auch das Gelände des Leipziger Polizeiverwaltungsamtes an der Lützner Straße konnte als Tatort entlarvt werden.

eBike Deal zum Freunschaftspreis
Mehr als 1000 Räder und EBikes verkauften Beamte innerhalb von 4 Jahren an Kollegen.

Hehler und Kunden aus Kreisen der Polizei

Doch wer sind eigentlich die Hauptakteure in diesem Korruptionsdelikt? Dass die Asservatenbeauftragte eine Hauptschuld trägt, beweisen die von ihr aufbewahrten Kaufverträge. Es ist allerdings schwer vorstellbar, dass eine einzige Polizeibeamtin über viele Jahre viele Räder verschwinden lassen kann. Und noch dazu ohne, dass es jemandem auffällt. Dazu schreibt TAG24, dass Untersuchungen gegen weitere 13 Beamte der ZentraB laufen. Ihre Verbindungen zu den illegalen Aktivitäten werden geprüft.

Aber auch die Kunden der Hehlerware erweckten die Aufmerksamkeit der eigens für den Skandal gegründeten SoKo „Ines“. Unter ihnen befanden sich wenigstens 40 Leipziger Polizeibeamte aus verschiedenen Abteilungen. Neben Polizisten aus der Kriminalpolizeiinspektion, verschiedenen Polizeirevieren, sowie dem Führungs- und Lagezentrum waren auch Kollegen aus dem „Referat für Kriminalitätsbekämpfung“ interessierte Käufer. Ob Staatsanwälte und Richter ebenfalls zum Kreis der Verdächtigen zählen, wurde auf eine offizielle Anfrage von TAG24 hin nicht bestätigt.

Und die Moral von der Geschicht´…verhalten

Warum bis heute Minister Roland Wöller (49, CDU) den Skandal vor der Öffentlichkeit als nicht erwähnenswert empfand, ist nicht bekannt. Laut TAG24 hält sich auch die Leipziger Polizei zu diesem Thema sehr bedeckt. Die „ZentraB Fahrrad“ wurde im vergangenen Jahr ohne großes Aufsehen aufgelöst.

Stattdessen informiert die Polizei Leipzig auf ihrer Homepage über ein verbessertes Asservatenverwertungsverfahren. Beschlagnahmte Fahrräder und eBikes werden hier grob und mit den Anfangsziffern der Rahmennummer beschrieben. Ein Anspruch kann von den jeweiligen bisher nicht identifizierten Besitzern geltend gemacht werden, wenn diese die Nummer vervollständigen können.

Um einem Diebstahl vorzubeugen, können eBiker aber bereits im Vorfeld tätig werden. Immer mehr Herrsteller bieten diverse Ausführungen von Diebstahlschutz an. Beispielsweise stellt die Firma velocate GPS-Tracker her, so dass das eBike im Falle eines Diebstahls schnell geortet werden kann. Empfehlenswert ist eine zusätzliche Versicherung speziell für Pedelecs, welche den Geschädigten umfangreich absichert.

 

Quelle: TAG24 (Stand:11.06.2020)

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